Eine aktuell von Windkraftgegnern verbreitete Untersuchung behauptet, dass Infraschall von Windenergieanlagen Herzkrankheiten verursachen könne. Die Studie wurde als Poster auf einem medizinischen Fachkongress vorgestellt und vergleicht mehrere Gemeinden im Kreis Paderborn mit unterschiedlicher Dichte an Windkraftanlagen. Die Autoren leiten daraus einen Zusammenhang zwischen Windkraft und einer höheren Zahl von Herzerkrankungen ab.
Zentrale Kritikpunkte der Wissenschaft
Mehrere Fachleute bezweifeln jedoch die Aussagekraft der Untersuchung:
- Die Studie vergleicht lediglich ganze Gemeinden miteinander, ohne individuelle Faktoren wie Wohnort, tatsächliche Entfernung zu Windrädern oder persönliche Belastung durch Infraschall zu berücksichtigen.
- Das verwendete Studiendesign (eine sogenannte ökologische Studie) kann zwar Hinweise auf Zusammenhänge liefern, erlaubt jedoch keine belastbaren Aussagen über Ursache und Wirkung.
- Die statistischen Auswertungen werden laut Experten nicht ausreichend beschrieben, sodass die Ergebnisse nur eingeschränkt überprüfbar sind.
- Das Umweltbundesamt kritisiert ebenfalls die Methodik und warnt vor einer politischen beziehungsweise populistischen Instrumentalisierung der Fragestellung.
Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität
Die Untersuchung wurde lediglich als Kongress-Poster veröffentlicht und hat kein klassisches wissenschaftliches Peer-Review-Verfahren durchlaufen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin werden solche Poster vorab hauptsächlich auf formale Kriterien geprüft, nicht jedoch umfassend wissenschaftlich begutachtet.
Experten betonen deshalb, dass ein Kongress-Poster nicht als belastbarer Nachweis für gesundheitliche Risiken angesehen werden kann. Vielmehr dienen solche Beiträge häufig dazu, vorläufige Ergebnisse zur Diskussion zu stellen.
Streit um die Verbindung zur Universitätsmedizin Mainz
Zusätzliche Fragen ergeben sich hinsichtlich der Darstellung der Universitätsmedizin Mainz. Obwohl deren Logo auf dem Poster erscheint, erklärt die Universitätsmedizin, dass seit Oktober 2022 keine institutionelle Verbindung mehr zum Studienautor Christian-Friedrich Vahl bestehe und die genannte Arbeitsgruppe nicht zur Universität gehöre.
Was sagt der aktuelle Forschungsstand?
Infraschall entsteht nicht nur durch Windenergieanlagen, sondern auch durch natürliche Quellen wie Wind sowie durch Verkehr und technische Geräte. Nach aktuellem Forschungsstand liegen die von Windkraftanlagen erzeugten Infraschallpegel deutlich unter vielen alltäglichen Quellen. Belastbare wissenschaftliche Nachweise für gesundheitliche Schäden durch die üblichen Infraschallwerte von Windenergieanlagen gibt es bislang nicht.
Einzelne abweichende Studien ändern den wissenschaftlichen Konsens erst dann, wenn ihre Ergebnisse unabhängig bestätigt und reproduziert werden können.
Quelle: Anja Lordieck (WDR):„Fragwürdige Studie zu Infraschall und Herzkrankheiten durch Windenergie“, Tagesschau Faktenfinder, 10.06.2026.
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